Schwierige Bewerberlage
Ausbildungsumfrage der Industrie- und Handelskammer.
Trotz leichter Entspannung: Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt.
Das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auf dem regionalen Ausbildungsmarkt bleibt angespannt. Das ist ein zentrales Ergebnis der Ausbildungsumfrage der IHK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim, die im Mai 2026 durchgeführt wurde.
Im vergangenen Ausbildungsjahr 2025 konnten erneut zahlreiche Ausbildungsbetriebe in der Region nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen: 43 Prozent der Betriebe meldeten unbesetzte Stellen. Gegenüber den Vorjahren hat sich die Situation damit zwar leicht entspannt – 2024 lag der Anteil bei 47 Prozent, 2023 sogar bei 54 Prozent. Dennoch bleibt die Besetzung von Ausbildungsplätzen für viele Unternehmen eine zentrale Herausforderung.
Insgesamt 176 Ausbildungsbetriebe aus der IHK-Region beteiligten sich an der Umfrage. Als Hauptursache für unbesetzte Ausbildungsplätze nennen die Unternehmen weiterhin die schwierige Bewerberlage: Rund 38 Prozent der Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsplätzen erhielten keine Bewerbungen, fast 80 Prozent keine geeigneten Bewerbungen.
Die Umfrage wurde auch niedersachsenweit durchgeführt. Insgesamt nahmen hier 1.600 Ausbildungsbetriebe teil. Landesweit konnten 47 Prozent der teilnehmenden Unternehmen nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Als Hauptgründe wurden auch in Niedersachsen ausbleibende Bewerbungen (25 Prozent) sowie fehlende geeignete Bewerbungen (68 Prozent) genannt.
„Die Ergebnisse machen deutlich: Die duale Ausbildung ist weiterhin stark nachgefragt, aber die Politik muss die Rahmenbedingungen verbessern, damit junge Menschen und Betriebe leichter zusammenfinden“, kommentiert Juliane Hünefeld-Linkermann, IHK-Geschäftsbereichsleiterin Aus- und Weiterbildung, die Umfrageergebnisse. „Dazu gehören aus Sicht der IHK auch modern ausgestattete Berufsschulen und verlässliche ÖPNV-Anbindungen, damit das 2026 eingeführte landesweite Azubi-Ticket stärker als bisher genutzt werden kann. Wer berufliche Bildung stärken will, muss Ausbildung im Alltag der Jugendlichen einfacher erreichbar und attraktiver machen.“
Die Umfrage zeigt auch, die Berufsausbildung entwickelt sich weiter. Die Umfrage beleuchtet den Umgang mit Künstlicher Intelligenz in der Ausbildung und zeigt auf: KI-Kompetenzen gewinnen in der Ausbildung an Bedeutung, die betriebliche Umsetzung ist jedoch noch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Mehr als die Hälfte der antwortenden Unternehmen setzt darauf, dass Auszubildende KI-Anwendungen selbstständig nutzen und dadurch eigenständig Erfahrungen sammeln (55 Prozent). Weitere Ansätze sind Inputs durch Lehrpersonen zu KI-Anwendungen (24 Prozent) sowie Lernsoftware, Webseiten und Online-Kurse zu KI-Themen (20 Prozent). Rund ein Viertel der Betriebe bereitet seine Auszubildenden bislang nicht gezielt auf den KI-Einsatz vor (28 Prozent).
Einen weiteren Schwerpunkt der IHK-Umfrage bildete die Beschäftigung von ausländischen Auszubildenden. Im Ausbildungsjahr 2025 haben 23 Prozent der antwortenden Unternehmen Auszubildende aus Drittstaaten ausgebildet (Niedersachsen: 28 Prozent). Als zentrale Herausforderungen bei der Einstellung von Auszubildenden aus Drittstaaten nannten die Unternehmen in der IHK-Umfrage vor allem geringe Deutschkenntnisse der Interessenten sowie bürokratische Hürden. In der Region kommt zudem fehlender Wohnraum in Betriebsnähe erschwerend hinzu.
„Auszubildende und Fachkräfte aus dem Ausland sind für viele Betriebe ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung. Dieses Potenzial darf aber nicht an Bürokratie, langen Verfahren oder fehlender Sprachförderung scheitern“, so Hünefeld-Linkermann. „Notwendig sind transparente und praxistaugliche Zuwanderungsprozesse, schnelle Verfahren und eine gezielte Unterstützung beim Spracherwerb. Nur so können Unternehmen internationale Talente erfolgreich gewinnen, ausbilden und langfristig binden.“
Ansprechpartner: IHK, Niels-Goslar Carstens, Tel.: 0541 353-425, E-Mail: carstens@osnabrueck.ihk.de
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