Netzwerktreffen Schule-Wirtschaft
Junge Menschen auf dem Weg in den Beruf stärken.
Psychische Gesundheit war Thema des Netzwerktreffens in Bramsche
Wie geht es Jugendlichen in einer Welt, die von Krisen, Unsicherheiten und großen Veränderungen geprägt ist? Und was bedeutet das für ihren Weg von der Schule in die Ausbildung?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Netzwerktreffen Schule-Wirtschaft für Bramsche und das Nördliche Osnabrücker Land bei Amazone Technologie. Lehrkräfte, Ausbildende und Unternehmensvertreterinnen und -vertreter kamen zusammen, um sich über die psychische Gesundheit junger Menschen auszutauschen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Schule und Ausbildungsalltag kennenzulernen. Organisiert wurde das Netzwerktreffen in Bramsche von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der MaßArbeit. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom INQA-Netzwerkbüro.
Pandemie, Klimawandel, Kriege und wirtschaftliche Unsicherheiten prägen die Lebenswelt vieler Jugendlicher. Wie sich diese Entwicklungen auf ihre mentale Gesundheit auswirken und welche Bedeutung das für den Übergang ins Berufsleben hat, stand im Mittelpunkt des Treffens. Katja Bielefeld von der Servicestelle Schule-Wirtschaft führte in das Thema ein und verwies auf die sogenannte Polykrise, bei der verschiedene Krisen gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken können. Auch die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeige, wie stark Krisen die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen belasten können. Gefühle von Kontrollverlust und Hilflosigkeit spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Fähigkeit, mit schwierigen Situationen umzugehen.
„Belastungen und Zuversicht schließen sich nicht aus: Viele junge Menschen verfügen über eigene Strategien, um Herausforderungen zu bewältigen“, betonte Katja Bielefeld. Daher sei es besonders wichtig, auf bestehende Strukturen und verlässliche Beziehungen zu setzen. „Seit vielen Jahren schaffen wir mit den Netzwerktreffen Schule-Wirtschaft ein gutes Netzwerk, in dem Schulen, Unternehmen und Institutionen vertrauensvoll zusammenarbeiten. Diese gewachsene Zusammenarbeit ist die Grundlage dafür, dass wir auch schwierige Themen gemeinsam angehen können.“
Wie Lehrkräfte und Ausbildende junge Menschen im Alltag unterstützen können, erläuterte die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Barbara Kunz in ihrem Fachvortrag „Jugend im Spiegel der Gesellschaft: Mentale Gesundheit in der Polykrise und deren Bedeutung für den Übergang Schule-Beruf“. Dabei ging es um die besonderen Herausforderungen des Jugend- und jungen Erwachsenenalters, aber auch um die Chancen, die der Einstieg in Ausbildung und Beruf mit sich bringt: „Eine Ausbildung bedeutet schließlich nicht nur den Erwerb fachlicher Fähigkeiten. Sie bietet jungen Menschen auch die Möglichkeit, Selbstvertrauen zu entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Wirksamkeit zu erleben“, so die Referentin. Gleichzeitig können psychische Belastungen den Start ins Berufsleben erschweren. Umso wichtiger ist es, Veränderungen wahrzunehmen, ohne vorschnell zu urteilen. Barbara Kunz machte deutlich, dass Lehrkräfte und Ausbildende keine Diagnosen stellen müssen, um einen wichtigen Beitrag zu leisten: „Psychische Gesundheit geht uns alle an, in der Schule ebenso wie im Ausbildungsbetrieb. Niemand muss Diagnosen stellen. Entscheidend ist, Veränderungen wahrzunehmen, das Gespräch zu suchen und zu wissen, wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist.“
Im Mittelpunkt des Netzwerktreffens standen deshalb konkrete Hinweise für den Umgang mit schwierigen Situationen: Wie lassen sich Veränderungen im Verhalten erkennen? Wie können Gespräche über Belastungen gelingen? Und wo liegen die Grenzen der eigenen Verantwortung? Die Teilnehmenden erfuhren, wie sie Unsicherheiten besser einordnen, Unterstützung anbieten und bei Bedarf an geeignete professionelle Anlaufstellen vermitteln können.
Im Anschluss wurde es praktisch. In vier Gruppen beschäftigten sich die Teilnehmenden anhand von Fallbeispielen mit möglichen Herausforderungen im Schul- und Ausbildungsalltag. Gemeinsam überlegten sie, wie sich auffällige Veränderungen ansprechen lassen, welche Unterstützung hilfreich sein kann und wie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben dabei gelingt.
Dass dieser Austausch für beide Seiten wertvoll ist, unterstrich Tim Schade als Ausbildungsleiter bei Amazone: „Als Ausbildungsbetrieb erleben wir, wie unterschiedlich die Voraussetzungen junger Menschen sind. Der Austausch mit den Schulen hilft uns, sie besser zu verstehen und im Betrieb gut zu begleiten.“ Bei einem Rundgang durch den Betrieb bekamen die Teilnehmenden einen Einblick in die Leistungsvielfalt und verschiedenen Ausbildungsberufe des Herstellers von Landmaschinen und Kommunalmaschinen und Systemanbieters für intelligenten Pflanzenbau.
Auch Klaus Sandhaus, Wirtschaftsförderer der Stadt Bramsche. hob die Bedeutung der Zusammenarbeit vor Ort hervor: „Wenn Schulen und Unternehmen gut vernetzt sind, können wir junge Menschen auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf besser begleiten. Das Netzwerktreffen schafft dafür den Raum.“
In einem Punkt waren sich alle Teilnehmenden abschließend einig: „Psychische Belastungen bedeuten nicht automatisch, dass junge Menschen den Anforderungen einer Ausbildung nicht gewachsen sind. Entscheidend ist vielmehr, ihre individuelle Situation ernst zu nehmen, ihre Stärken zu erkennen und bei Bedarf rechtzeitig Unterstützung anzubieten. Dafür braucht es Menschen, die aufmerksam sind, offen miteinander sprechen und wissen, an wen sie sich bei diesem sensiblen Thema wenden können.“
Bildunterschrift: Tauschten sich beim Netzwerktreffen bei Amazone Technologie in Bramsche aus (v.l.): Tim Schade, Amazonen-Werke, Helen Lödden, Amazone Technologie, Barbara Kunz, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, Katja Bielefeld, Serviecestelle Schule-Wirtschaft MaßArbeit, Susanne Steininger, Bereichsleiterin Übergangsmanagement MaßArbeit, Ines Asselmeyer und Klaus Sandhaus, Wirtschaftsförderung Stadt Bramsche.
Foto: MaßArbeit